1986 bogen wir zum ersten Mal links von der 1. Mai Demo des DGB nach Elberfeld ab. Wir zogen mit ungefähr 250 Menschen am Arbeitsamt und bei Leiharbeitsfirmen vorbei und feierten ein wunderschönes Straßenfest vor der besetzten Hedwigstrasse. Die Polizei und den DGB haben wir nicht um Erlaubnis gefragt. Wir hatten die Schnauze voll vom sozialpartnerschaftlichen 1.Mai der DGB-Gewerkschaften und konnten auch die Anwesenheit der Polizeigewerkschafter vom Staatsschutz und den Polizeipräsidenten nicht mehr ertragen. Außerdem wurde unserer schwarz-roter Block in den Jahren vorher innerhalb der DGB-Demo ständig von DGB-Ordnern angegriffen. Seit 1987 starten wir autonom vom Platz der Republik zum Straßenfest und greifen mit der jährlichen Demo die Kämpfe und sozialen Auseinandersetzungen auf, die uns hier in diesem Land und weltweit beschäftigen. Die Arbeitskämpfe in Rheinhausen interessierten uns genauso wie die Besetzung der Gemarker Kirche durch kurdische Sans Papiers, Golf-, Irakkriege und Jugoslawienkrieg waren Thema wie Hartz IV, die Hungerstreiks der politischen Gefangenen, die Volkszählung, der Streik bei Gate Gourmet, die ZwangsarbeiterInnenentschädigung wie die alten und neuen Nazischweine. Es wurden seit 1986 manchmal, aber immer wieder Farbbeutel, Steine und Konfetti geworfen, aber nie Brennspiritus wie die frechen Bullen behaupten. Ein Höhepunkt war sicherlich 1993 das kollektive Umwerfen eines Nazi-Autos, nachdem der Nazi meinte, die Demo mit einem Blumentopf bewerfen zu müssen. Die Gründe für radikalen Widerstand sind auch 2009 nicht weniger geworden. Barrikadenbau, Kampf auf der Straße, war zu allen Zeiten die Antwort der Beherrschten auf ungerechte und elende Lebensbedingungen; es wechseln nur die KämpferInnen und das Barrikadenmaterial. Kampf auf der Straße ist auch heute nicht ersetzbar durch Parlamente, Eigentumswohnungen und das Internet.
Kopf hoch! Laßt den Geiern nicht das Land… (Wuppertaler Volxlied 1984)
Vortrag am 24. April um 19 Uhr